Was man wissen muss.

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Verkehr in Weitersburg nervt die Anwohner

Am 9. Oktober 2020 berichtet die Rheinzeitung über die überlasteten Straßen im Ortskern von Vallendar. So wird auch darauf hingewiesen, dass sich die Situation durch das neue Gewerbegebiet weiter verschlechtern wird:

” Überhöhte Geschwindigkeit, enge Stellen und viele Lkw – Lösung durch den Kreis noch nicht in Sicht Weitersburg. „Riskant, gesundheitsschädlich und nervenaufreibend“ so beschreibt RZ-Leser Peter Hahn aus Weitersburg in einem Leserbrief den Verkehr in seinem Wohnort. Er empfindet es besonders problematisch, dass durch die vielen Baustellen rund um Koblenz, beispielsweise an der Bendorfer Brücke, Auto-, aber auch Lkw-Fahrer die Grenzhausener und die Bendorfer Straße in Weitersburg nutzen, um Staus zu umfahren. Dies verschärfe die ohnehin schon schwierige Lage in Weitersburg, meint Hahn.

Was ist das Problem?

„Die Straßen sind lebensgefährlich eng, unübersichtlich und oft riskant zugeparkt“, schreibt Peter Hahn in seinem Leserbrief. Er habe Angst um Kinder und Ältere. Die Bürgersteige seien teilweise nur knapp 30 Zentimeter breit, so könne kein Rollator oder Kinderwagen darauf fahren. Hahn beklagt, dass bisher noch nichts getan wurde, auch wenn es bereits Anwohnerbeschwerden im Gemeinderat gab.

Hahn berichtet zudem von einer Messstation vor seinem Haus in der Grenzhausener Straße. Dort sei ein Lkw mit Lastenzug mit 50 km/h entlanggefahren erlaubt ist dort aber nur Tempo 30. Außerdem könne man auch regelmäßig Spitzenwerte von mehr als 60 km/h an der Station ablesen.

Auch Bürgermeister Jochen Währ kann ein erhöhtes Verkehrsaufkommen feststellen. Der Bürgermeister nennt die Baustelle auf der A 48 als Beispiel. Außerdem würde man besonders zur dunklen Jahreszeit hin wieder vermehrt Staus auf der B 42 zu spüren bekommen. Er betont jedoch, dass die Situation in anderen Orten auch nicht besser sei. Ein Hauptproblem seien zudem die beiden Kreisstraßen, Bendorfer Straße und Grenzhausener Straße: „Für diese ist der Kreis zuständig, hier hat die Gemeinde nichts zu sagen.“

Eine weitere Schwierigkeit sieht Jochen Währ darin, dass es keine Einschermöglichkeiten in den beiden Straßen gibt. Man habe zwar Parktaschen mit ausreichend Platz zum Einscheren angelegt, diese Flächen würden aber meist zugeparkt. „Die Leute sollen statt auf der Straße in ihren Garagen parken“, macht der Bürgermeister sein Anliegen deutlich.
Nachgefragt bei der Polizeiinspektion Bendorf, erklärt diese, dass es keine verlässlichen Erkenntnisse zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen gibt. Die Verengung der Kreisstraße sowie die schmalen Gehwege seien faktisch gegeben: „Eine bauliche Veränderung diesbezüglich ist nicht zu erwarten“, so die Polizei.

Welche Maßnahmen wurden bereits getroffen?

Die Gemeinde hat mithilfe von Polizei und Ordnungsamt bereits einige Versuche unternommen, das Verkehrsproblem einzudämmen und den Hauptverkehr vor allem aus den Anliegerstraßen herauszuhalten. Eine dieser Maßnahmen sind drei Geschwindigkeitsmesser, die an beiden Kreisstraßen (zwei in der Grenzhausener Straße und eine in der Bendorfer Straße) in den Bereichen angebracht wurden, wo eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h erlaubt ist.

Die beiden fest installierten Messstationen in der Grenzhausener Straße konnten im vergangenen Jahr Spitzenwerte von 90 km/h bei Ortsausfahrt und 100 km/h bei Ortseinfahrt messen die meisten fuhren jedoch im Durchschnitt nur etwas mehr als 30 km/h. Der Durchschnittswert der Geschwindigkeitsüberschreitungen an den zwei Messstationen lag 2019 zwischen 55 und 67 Prozent in der Bendorfer Straße allerdings nur bei circa 18 Prozent, auch wenn hier nicht das ganze Jahr über gemessen wurde. Jochen Währ meint dazu: „Es gibt Geschwindigkeiten, die sind fernab von Gut und Böse, aber das sind dann Ausreißer.“ Auch die Polizei Bendorf konnte bei ihrer jüngsten Kontrolle mittels Radarmessung nur sehr wenige Verstöße feststellen.

Noch nicht überall auf den Kreisstraßen herrscht ein Tempolimit von 30 km/h, doch die Ortsgemeinde versuche, die Streckenabschnitte mit diesen Geschwindigkeitsbegrenzungen stetig zu erweitern, erklärt Bürgermeister Jochen Währ. „Die Gemeindestraßen sind aber inzwischen alle Tempo 30 oder verkehrsberuhigter Bereich.“ Zudem wollte die Gemeinde 2017 für die Grenzhausener Straße verkehrsberuhigende Maßnahmen wie einen Zebrastreifen für eine sichere Überquerung, auch für Schulkinder, planen. Dies wurde jedoch vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) abgelehnt, da der Verkehr für eine solche Maßnahme noch zu gering sei. Auch 2019 sind die Werte nicht viel anders: In beide Richtungen der Grenzhausener Straße konnten insgesamt knapp 1000 Fahrzeuge pro Tag verzeichnet werden, während es auf der Bendorfer Straße allein in Richtung Ortsmitte im Mittel mehr als 1300 täglich waren.

Zur weiteren Verkehrsberuhigung hat die Gemeinde auf der Ringstraße Verschränkungen eingebaut, damit nicht mehr so schnell gefahren werden kann. Bürgermeister Währ verstehe zwar, dass sich dann natürlich auch wieder Anwohner beschweren, dass die Straße unübersichtlich sei, aber man könne es schließlich nicht allen recht machen.

Gibt es eine langfristige Lösung?

Peter Hahn spricht sich für eine Sperrung für den Schwerlastenverkehr aus, wie es im noch geltenden Flächennutzungsplan von 1995 stehe. Auch Jochen Währ hätte nichts dagegen: „Die untere Bendorfer Straße ist für Schwertransporte völlig ungeeignet und gefährlich.“ Doch das sei Angelegenheit des Kreises. Zwar würden die Kreisstraßen regelmäßig begutachtet, zu einer Lösung vonseiten des Kreises sei es aber noch nicht gekommen, berichtet der Bürgermeister.

Ziel der Ortsgemeinde sei es nun, ein Verkehrskonzept zu erarbeiten, so Jochen Währ. Im November 2019 hatte die Freie Wählergruppe einen entsprechenden Antrag zur Einstellung von Haushaltsmitteln für die Beauftragung einer Fachfirma gestellt. Dies könne jedoch nur mithilfe der Verbandsgemeinde (VG) Vallendar sowie der zuständigen Ordnungsbehörde geschehen, erklärt der Bürgermeister. Man brauche einen Fachmann, der sich alle Straßen genau anschaut und Verbesserungsmöglichkeiten vorschlägt. Das Ganze sei aber noch nicht richtig in Planung. Laut der Verwaltung der VG Vallendar muss der Gemeinderat erst noch festlegen, welche konkreten Verkehrsfragen überprüft werden sollen, bevor die nächsten Schritte eingeleitet werden können.

Bernd Dobkowitz, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Vallendar, meint: „Unseres Erachtens nach können Probleme durch Nichteinhaltung bestehender Regelungen eher durch entsprechende Kontrollen gelindert werden.“ Auch den RZ-Leser Peter Hahn kann das geplante Verkehrskonzept nicht überzeugen. Er glaubt nicht an eine wirksame Abhilfe: „Es wäre ein Wunder, wenn man eine Lösung für das ganze Verkehrsproblem in Weitersburg findet.“ Abzuwarten bleibt seiner Meinung nach auch, wie sich die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets im Zuge eines neuen Verkehrsnutzungsplans der VG Vallendar auf den Verkehr in Weitersburg auswirkt. Besagter Plan kann jedoch frühestens 2021 in Kraft treten, wie die VG Vallendar auf Anfrage der RZ mitteilt.
Besonders die Kreisstraßen in Weitersburg Bendorfer und Grenzhausener Straße bereiten sowohl den Anwohnern als auch Bürgermeister Jochen Währ Sorgen. “

Copyright: Rhein-Zeitung, Freitag, 09. Oktober 2020

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